Österreich

Die Veröffentlichung eines Videos. Der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache tritt daraufhin von seinen Ämtern zurück. Der geschäftsführende Klubobmann Johann Gudenus, ebenfalls Protagonist des Geschehens in dem Video, gleich mit. Regierungskrise, vermutlich Neuwahlen. Weitergehend muss ich das nicht ausführen, die Presselandschaft ist online wie offline voll davon.

Die Erstreaktion der Betroffenen: „Hey, wie waren halt betrunken“ und „es ist eine Frechheit, dass das heimlich gefilmt wurde“. Meine Sicht: Alkohol kreiert weder Korruption noch Allmachtsphantasien, er macht nur unvorsichtiger bei der Frage, wem gegenüber man sie offenbart. Und wir reden hier nicht über irgendein Stammtischgeschehen, Menschen wie Herr Strache werden von Wählern und „Sponsoren“ in Positionen gehievt, in denen sie ihre Phantasien auch ausleben können. Manchmal, weil sie genau diese Phantasien/Absichten selbst Wahrheit werden lassen wollen, manchmal, weil sie das eigentliche Wesen der Personen und ihrer Ziele -durch Parolen geblendet- nicht erkannten. Und sich nicht die Mühe machten, genauer hinzusehen.

Und da bin ich beim Kern: Die „Causa Strache“ hat für mich neben ihrer eigenen Brisanz noch eine ganz andere Bedeutungsdimension. Sie sollte uns allen eine Mahnung sein, genau hinzuschauen, was Menschen, die politische Ämter anstreben und sich dabei nicht scheuen, dabei öffentlich und laut immer wieder die Grenzen der Demokratie -sprachlich wie auch durch ihr Handeln- für ihre Zwecke ausdehnen, im stillen Kämmerlein so denken, sagen, planen und vorbereiten. Und dass wir uns sehr genau überlegen sollten, Leuten unsere Stimme bei Wahlen zu geben, die beim Vollzug ihres Weges zur Macht den Demokraten mimen und im Hintergrund ganz andere Ziele verfolgen. Herr Strache ist da ganz sicher kein „unrühmlicher Einzelfall“.

Der Wille zur Erlangung von Macht verführte nicht nur in diesem Fall dazu, leidenschaftlich die Mittel der Korruption zu diskutieren und sie auch zu nutzen. Insofern finde ich die Veröffentlichung dieses Videos nicht nur in sich bedeutsam, sondern auch einen guten Beweis dafür, dass der Journalismus eine so wichtige Rolle dabei spielt, hinter die Kulissen zu schauen. Auch wenn er dem Einzelnen nicht abnehmen kann und will, sich sein eigenes Bild auch von denen zu machen, die versuchen, als Wolf im Schafspelz daherzukommen, die immer „seid wachsam“ rufen und dabei meinen: „aber bei mir selbst bitte nicht so sehr“.

Und ich finde es gut und wichtig, dass SZ und Spiegel nicht der Versuchung folgten, mal eben so das ihnen zugespielte brisante Material in die Welt zu setzen, sondern seriös ihren Job machten. Wie, zeigt das Video (s. Link unten) zu diesem Beitrag.

Seien wir also wirklich wachsam. Aber eben ohne Einschränkung. Trau, schau, wem.

Schönen Sonntag, 
dh

#strache

https://www.sueddeutsche.de/…/strache-videos-werkstatt-fpoe…